Botanische Analysen der endneolithischen Seeufersiedlung Saint-Blaise/Bain des Dames (NE): Menschliche Taetigkeiten und Umwelt.

Olivier Mermod

Archaeobotanik, Geobotanisches Institut ETH Zuerich, Zollikerstrasse 107, 8008 Zuerich

Keywords: Archaeobotany, Neolithic, Auvernier cordé, Saint-Blaise/Bains des Dames, lens of loam (Lehmlinsen), heap of stones (Steinhaufen)

Ausgangspunkt

Fragestellung

Methodik

Vorlaeufige Ergebnisse

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Ausgangspunkt

Die Seeufersiedlung Saint-Blaise/Bains des Dames wurde schon im letzten Jahrhundert entdeckt. Erst der Bau der N5 am Ufer des Neuenburgersees in den 90er Jahren setzte die noetigen finanziellen Mittel für dessen Erforschung frei. Es wurden drei verschiedene Kulturschichten für Horgen (3166-3121 BC), Luescherz (2793-2673 BC) und Auvernier cordé (2640-2451 BC) mit mehreren Besiedlungsphasen ergraben. In diesem Projekt wird lediglich die Auvernier cordé-Kultur behandelt. Die beiden anderen Kulturen Horgen und Luescherz sind Teil des Na-tionalfondsprojektes von Dr. Christiane Jacquat.
In der Auvernier-Phase findet man Haeuser mit Lehmlinsen und Steinhaufen. Interessant wird es nun, diese beiden Strukturen botanisch zu untersuchen, um eventuelle Unterschiede festzustellen und Aussagen über deren genauere Bedeutung zu machen. Weitere Proben aus der Siedlung sollen Fragen zur Bewirtschaftung und zur Vegetation der Umgebung beantworten.

Untersuchungsgebiet

Die Seeufersiedlung Saint-Blaise/Bains des Dames befindet sich im Kanton Neuenburg am Neuenburgersee (vgl. Fig. 1). Im Auvernier cordé fliessen sowohl Elemente der Schnurkeramik als auch der Auvernierkultur zusammen.




Fig. 1 Lage der Seeufersiedlung Saint-Blaise/Bains des Dames und die verschiedenen Kulturen in der Zeit von 2700-2500 v.Chr.


Fig. 2 Lage der Probeentnahme auf dem Grabungsgrundriss mit daruebergelegten
Haeusergrundrissen (nach Kurella 1996 unpub. veraendert).

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Fragestellung


Mit Hilfe der untersuchten botanischen Diasporen (vorallem Samen und Fruechte) sollen folgende Fragen beantwortet werden können:

· Was kennzeichnet die Vegetation der Auvernier-Kultur dieser Zeit in SBBD (Saint-Blaise/Bains des Dames) aus?

· Wie sah die natuerliche Umwelt der damaligen Zeit aus?

· Was sind die Funktionen der Steinhaufen und der Lehmlinsen? Waren es einfache Abfallhaeufen oder Arbeitsflaechen?

· Kann man aus botanischer Sicht Aktivitaetszentren in der Siedlung feststellen?

· Welche Pflanzen haben die damaligen Bewohner genutzt und fuer welche Zwecke?

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Methodik


Aufbereitung der Proben
Das Volumen und das Gewicht der Proben wurden gemessen und diese in einer Siebkaskade mit Sieben der Maschenweite 4, 2, 1, 0.5 und 0.2 mm geschlämmt. Die Gesamtvolumina der einzelnen Fraktionen wurden gemessen, der organische Anteil nach der Goldwaeschermethode getrennt und dessen Volumen bestimmt. Der organische Anteil wurde weiterverarbeitet und der anorganische verworfen. Bei den Fraktionen 4, 2 und 1 mm wurde der gesamte organische Anteil untersucht, bei 0.5 und 0.2 mm wurden Stichproben entnommen.

Bestimmung der Makroreste
Die Makroreste wurden unter einer Stereolupe mit bis zu 50facher Vergroesserung bestimmt. Als Bestimmungsliteratur diente u.a. Anderberg (1994), Berggren (1969 & 1981), Jacomet (1985 & 1988) und Jacquat (1988). Als Referenzsammlung wurde die gruppeneigene Sammlung rezenter und fossiler Samen benuetzt. Die Ergebnisse der Makrorestanalysen wurden jeweils auf einen Liter Probenvolumen umgerechnet.

Oekologische Einteilung der gefundenen Pflanzenarten
Mehrere Ansaetze oekologischer Einteilung wurden mittels EDV vorgenommen. Einerseits nach Uebergruppen gemaess 'Schweizer Flora Arten' der Universität Basel und 'Flora Helvetica' von Lauber & Wagner (1996) und anderseits gemaess Ellenberg (1982) und Oberdorfer (1983) u.a..

Statistik
Die gewonnenen Daten sollen als Grundlage für eine Datenbank (FileMaker 3.0) ueber die Makrorestuntersuchungen unserer Gruppe dienen.
Diverse Auswertungen mit multivariater Statistik (Cluster-, Diskriminanz- und Hauptkomponentenanalyse) sollen getestet werden.
Die Daten wurden statistisch im Programm MULVA-5 Version 1.05 (Wildi 1993) bearbeitet. Mit den log-transformierten Daten wurden eine Hauptkomponentenanalyse durchgefuehrt.
Anschliessend wurde eine Clusteranalyse durchgeführt, welche die Arten bzw. die Proben aufgrund ihrer Aehnlichkeit gruppiert.
Mit Hilfe der Diskriminanzanalyse werden diejenigen Variablen gesucht , die für die Gruppenbildung verantwortlich sind.

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Vorlaeufige Ergebnisse

Mit den oben beschriebenen statistischen Methoden konnte die Siedlung in einen seewaert (suedlich) und in einen landwaerts (noerdlich) liegenden Bereich unterteilt werden (siehe Fig. 2).
Die Variablen bzw. Arten, die für diese Gruppenbildung verantwortlich sind, koennen mit der Diskriminanzanalyse festgestellt werden. Es zeigen sich viele Pflanzen aus Wasser- und Verlandungsgesellschaften wie Characeae, die Gattungen Najas, Potamogeton, Schoenoplectus, cf. Sparganium und Typha, Mentha aquatica, Veronica anagallis-aquatica und Scrophularia nodosa/umbrosa für die Trennung verantwortlich. Diese Arten haetten z.B. im Falle einer Ueberschwemmung in die Siedlung gelangen koennen, waeren also nicht direkt vom menschlichen Einfluss abhaengig.
Vergleicht man die Ergebnisse der Diskriminanzanalyse mit den Rohdaten der Pflanzenbestimmungen, sieht man das Characeae ueberall auf der Siedlung gefunden werden koennen, aber im noerdlichen Teil signifikant haeufiger in den Proben auftreten. Die Arten der Gattung Najas finden wir aber fast ausschliesslich im suedlichen bzw. im seenaeheren Teil der Siedlung.

Diese Verteilung der Pflanzen aus den Wasser- und Verlandungsgesellschaften in der Siedlung könnte, wie oben erwaehnt, natuerlich ins Dorf gelangt sein.
Um solche natuerlichen Faktoren auszuschalten, wurde die Hauptkomponenten-, Cluster- und Diskriminanzanalyse nochmals durchgefuehrt, aber diesmal ohne die Pflanzen des Sublittorals (Wasser- und Verlandungsgesellschaften).
Die Hauptkomponentenanalyse zeigte auch nach Eliminierung der Arten aus dem Wasser- und Uferbereich eine aehnliche Verteilung. Erst die Clusteranalyse vermag wieder die Aufteilung in einen Nord- und Suedteil der Siedlung wiederzuspiegeln. Die Verteilung der Proben ist zwar anderst, aber es lassen sich immer noch klar diese zwei Gruppen herauslesen.
Die Ergebnisse der Diskriminanzanalyse zeigen fuer die Gruppenbildung im noerdlichen Bereich Pflanzen aus den Feldern und Ruderalstandorten, Sammelpflanzen (vorallem Haselnuesse) und staerker fragmentierte Samen verantwortlich. Im suedlichen Teil werden vorallem Reste der Zubereitung von Kulturpflanzen wie Getreide und Lein und Sammelpflanzen (hier aber meist Brombeere und Himbeere) gefunden.

Diese ersten Ergebnisse wuerde für eine unterschiedliche Nutzung der Siedlung sprechen. Es muss aber bedacht werden, das erst 28 Proben untersucht wurden und dass vielleicht durch Eliminierung der Pflanzenarten aus dem Bereich des Wasser und des Ufers das Bild verfaelscht wurde.
Weitere Proben und Vergleiche mit der Sedimentologie, Palynologie und Zoologie werden weiter Aufschluss geben.

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